5 Fragen an Susanne Hake von der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau

Was unter der Erde liegt, sieht am Ende niemand mehr. Umso wichtiger, dass man sich darauf verlassen kann. Seit 40 Jahren sorgt die RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau dafür, dass diese Qualität überprüfbar ist. Wir sprechen mit Geschäftsführerin Susanne Hake über vier Jahrzehnte Gütesicherung und werfen einen Blick in die Zukunft.
09.11.2026
Gütezeichen
Header-Bild mit Susanne Hake, Geschäftsführerin der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau RAL

1.   40 Jahre RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau – was hat Sie, was hat die Gemeinschaft in dieser Zeit wirklich bewegt?

Wenn man auf 40 Jahre RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau zurückblickt, sieht man sehr deutlich, dass diese Entwicklung keineswegs immer geradlinig verlaufen ist. Es gab wichtige fachliche Meilensteine und Phasen des Wachstums, aber auch einen Zeitpunkt, an dem die Zukunft der Gütegemeinschaft tatsächlich auf dem Spiel stand. Besonders prägend war die Situation um die Jahrtausendwende. Die Investitionen im Kabelbereich stagnierten, viele Unternehmen hatten wirtschaftlich schwierige Jahre zu bewältigen, Mitglieder verließen die Gütegemeinschaft und damit wurde auch ihre finanzielle Basis immer schmaler. Bei der Mitgliederversammlung 2001 in Hamburg gehörten nur noch 76 Unternehmen der Gütegemeinschaft an. Aber die Mitgliedsunternehmen haben nicht aufgegeben, sondern für einen Neubeginn votiert. Diese Reaktion finde ich bis heute bemerkenswert. Wir haben unseren Qualitätsanspruch bewusst intensiviert. Prüfungen wurden neu strukturiert und Checklisten entwickelt. Hinzu kamen Schulungen und Seminare, die den Unternehmen konkrete Unterstützung bieten sollten.

Als ich 2002 die Geschäftsführung übernommen habe, ging es dann auch darum, diesen Weg konsequent fortzusetzen und zugleich die Auftraggeber stärker einzubeziehen. Denn Qualität funktioniert nur, wenn sie nicht allein von den ausführenden Unternehmen gelebt, sondern auch ausgeschrieben und eingefordert wird. Heute stehen wir vor noch anspruchsvolleren, gesellschaftlich definierten Aufgaben – vom Breitbandausbau über die Energie- und Wärmewende bis zur Ladeinfrastruktur. Dass Qualität hier die entscheidende Basis generationengerechten Bauens ist, müssen wir darüber hinaus auch immer wieder in Richtung politischer Entscheider adressieren.

2.  Was bringt das RAL Gütezeichen für Auftragnehmer wie Auftraggeber in der Praxis konkret?

Für ein Unternehmen macht das RAL Gütezeichen zunächst einmal gegenüber dem Markt sichtbar, dass hinter seinem Qualitätsanspruch ein überprüfbares System steht. Es geht nicht um ein Logo oder eine Urkunde an der Wand, sondern um definierte Güte- und Prüfbestimmungen, Eigenüberwachung und nachvollziehbare Anforderungen an die Ausführung.

Und auch für Auftraggeber schafft das Gütezeichen damit vor allem Transparenz und Verlässlichkeit. Sie können bei Ausschreibung und Vergabe auf ein etabliertes Qualitätssystem zurückgreifen. Ein Beispiel sind die Anforderungen der VDE-AR-N 4220 beziehungsweise der entsprechenden Regelwerke anderer Sparten. Diese Anforderungen sind in unseren Gütebestimmungen berücksichtigt.

3.  Die Anforderungen an den Leitungstiefbau steigen seit Jahren – wie gehen Sie mit den Herausforderungen um?

Wir erleben momentan eine Gleichzeitigkeit von Aufgaben, die für unsere Branche enorm anspruchsvoll ist. Gigabit- und Glasfaserausbau, Energiewende, Wärmenetze, Ladeinfrastruktur und die Erneuerung bestehender Netze laufen parallel. Zudem sollen Projekte schneller umgesetzt werden, während die Anforderungen an Arbeitssicherheit, Dokumentation und Bauqualität steigen.

Für uns bedeutet das zunächst, die Güte- und Prüfbestimmungen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Sie müssen neue technische Verfahren und veränderte Rahmenbedingungen aufnehmen, ohne unseren Qualitätsanspruch abzusenken. Dabei fließen die Erfahrungen unserer Mitgliedsunternehmen seit Jahrzehnten selbst in technische Regelwerke ein. Anforderungen aus unseren Güte- und Prüfbestimmungen haben immer wieder Eingang in übergeordnete Regelwerke gefunden. Ein gutes Beispiel sind Trench-, Fräs- und Pflugverfahren, die insbesondere mit dem Breitbandausbau an Bedeutung gewonnen haben. Die RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau hat ihre Praxiserfahrung deshalb auch in die Erarbeitung der DIN 18220, der sogenannten DIN Trenching, eingebracht. Dieses Engagement steht beispielhaft für unsere Rolle als Treiber von Standards. Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, bestehende Normen in die Gütesicherung zu übernehmen, sondern technische Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und fachlich mitzugestalten.

 4.  Normen, Regelwerke, Gremienarbeit – was macht diese Arbeit so spannend?

Das Spannende ist für mich die Verbindung von Praxis und technischer Regelsetzung. Die Gremienarbeit zielt darauf ab, die praktische Erfahrung in ein Regelwerk einfließen zu lassen, das später für Auftraggeber, Planer und Unternehmen gleichermaßen einen spürbaren Mehrwert schafft. Denn gute Regelwerke definieren gemeinsame Maßstäbe, reduzieren Interpretationsspielräume und sorgen dafür, dass neue Verfahren auf einer belastbaren fachlichen Grundlage eingesetzt werden. Deshalb bringt sich die RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau seit Jahrzehnten aktiv ein. Nur wenige Beispiele: Die Eigenüberwachung als entscheidendes Element unserer Gütesicherung fand Eingang in die ZTV-A 89, später wirkten Experten unserer Gütegemeinschaft unter anderem an GW 381, der FW 600 und der VDE 4220 mit. Mit der ATV DIN 18322 erhielt der Kabelleitungstiefbau erstmals eine eigene technische Vertragsgrundlage.

5.  Wie sieht die Zukunft des Leitungstiefbaus aus und was braucht die Branche jetzt?

Die Bedeutung des Leitungstiefbaus wird weiter wachsen. Glasfaser- und Gigabitnetze, Strom- und Wärmenetze, Ladeinfrastruktur sowie die Erneuerung bestehender Netze müssen in den kommenden Jahren parallel vorangebracht werden. Dafür braucht es erhebliche Investitionen, ausreichend qualifizierte Fachkräfte und Qualitätsstandards, die mit neuen Verfahren und digitalen Möglichkeiten Schritt halten.

Genauso wichtig sind für uns verlässliche politische Rahmenbedingungen und klare Prioritäten. Die Unternehmen müssen wissen, welche Infrastrukturaufgaben wann anstehen und unter welchen Bedingungen sie umgesetzt werden sollen. Nur dann können sie vorausschauend in Personal, Qualifizierung, Maschinen und Digitalisierung investieren und ihre Kapazitäten entsprechend aufbauen.

Ein ganz konkretes Beispiel ist das von uns seit Langem geforderte Betreiberregister. Wir bauen an der Infrastruktur der Digitalisierung, arbeiten aber gleichzeitig in einem unterirdischen Bauraum, über den noch immer nicht überall ausreichend transparente und verlässliche Informationen vorliegen. Wenn ein Unternehmen in den Boden eingreift, muss es möglichst vollständig wissen können, welche Leitungen dort liegen und wer dafür verantwortlich ist. Fehlende oder unvollständige Informationen erhöhen Risiken für Beschäftigte, Bauabläufe und Kosten. Deshalb müssen Betreiberregister, digitale Leitungsdokumentation und perspektivisch auch Building Information Modeling (BIM) stärker zusammengedacht werden.

Alles in allem heißt Zukunft für die RAL Gütegemeinschaft Leitungstiefbau, Qualität nicht nur zu sichern, sondern die Rahmenbedingungen für guten Leitungstiefbau aktiv mitzugestalten. Wir müssen uns genau dort einbringen, wo die Weichen für die Branche gestellt werden – in Normung und Regelsetzung, im Austausch mit Auftraggebern sowie im Dialog mit Politik und Verwaltung.

Mehr Informationen: Gütegemeinschaft Leitungstiefbau

Vielen Dank, Susanne Hake!

Andrea Knaden Managerin Kommunikation & Marketing

Pressekontakt

Andrea Knaden

Managerin Kommunikation & Marketing