Neues Jahr, neue Herausforderungen: Ein Interview mit Rüdiger Wollmann und Thomas Roßbach, RAL Geschäftsführung

Seit mehr als 100 Jahren sind RAL Gütezeichen Zeichen für verlässliche Qualität und Transparenz, auf die Unternehmen und Verbraucher:innen sich verlassen können. 2025 war das große Jubiläumsjahr für RAL mit vielen Blicken zurück – jetzt geht es mit Riesenschritten in Richtung Zukunft.
28.01.2026
Gütezeichen
Ein Interview mit Rüdiger Wollmann und Thomas Roßbach, RAL Geschäftsführung RAL

Welche Themen bewegen RAL Gütezeichen im Jahre 2026?

Rüdiger Wollmann: Aktuell ist die EmpCo-Richtlinie ein großes Thema für uns. Die EU verschärft damit die Regeln für Umweltaussagen und geht gegen Greenwashing vor. Aussagen wie „recycelt“ oder „nachhaltig“ müssen in Zukunft mit konkreten Zahlen und Beispielen belegt werden. Zudem dürfen nur Nachhaltigkeitssiegel für die Kommunikation verwendet werden, die staatliche Siegel sind oder auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen. In Deutschland werden die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt, welches ohne Übergangsfristen am 27. September 2026 in Kraft tritt. Wir bekommen daher gerade sehr viele Anfragen von Unternehmen, deren eigenen Umweltsiegeln in Zukunft die rechtliche Grundlage fehlt. Das System der RAL Gütezeichen ist EmpCo-konform und kann zur sicheren Nachhaltigkeitskommunikation genutzt werden. Ein wichtiges Thema für uns!

Thomas Roßbach: Darüber hinaus bewegen uns schon seit längerer Zeit zwei große Themen: Erstens, die Umwandlung der Wirtschaft in eine echte Kreislaufwirtschaft. Hier fehlen in vielen Bereichen noch gesetzliche Vorgaben oder Normen. RAL Gütezeichen bieten die Möglichkeit, diese Lücke zu schließen und neue privatrechtliche Standards zu setzen, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Abfall zu reduzieren. Zweitens, der Digitale Produktpass. Dieser wird 2027 zunächst für Batterien eingeführt, weitere Produktgruppen werden folgen. Mit ihm können zukünftig die Herkunft der Rohstoffe, die Reparierbarkeit, die Recyclingfähigkeit oder eben auch die hohe Qualität eines Produktes transparenter und für alle abrufbar gemacht werden.

Kreislaufwirtschaft ist ein gutes Stichwort und ein wichtiges Thema unserer Zeit – aber ist es mehr als ein Buzzword bei RAL?

Rüdiger Wollmann: Definitiv, und zwar auf vielen Ebenen! Zum einen gibt es RAL Gütezeichen, die direkt in dem Bereich aktiv sind. Ich denke da zum Beispiel an das Gütezeichen %-Recycling-Kunststoff, mit dem Mitglieder den genauen prozentualen Anteil an Rezyklaten aus dem „Gelben Sack“ in ihren Produkten oder Verpackungen ausweisen können. Das RAL Gütezeichen Möbel Zirkulär Nachhaltig stellt strenge Anforderungen an Ressourceneffizienz, Reparaturfreundlichkeit, Recyclinganteil, Langlebigkeit und mehr. Das RAL Gütezeichen Ressourcen-Management kennzeichnet Dienstleistungen, die sich der Rücknahme, Wiederverwendung und Rückführung von Wertstoffen in den Stoffkreislauf widmen. Dies sind nur drei Beispiele. Viele weitere Gütegemeinschaften haben in den letzten Jahren ihre Güte- und Prüfbestimmungen um Anforderungen der Kreislaufwirtschaft erweitert. Und dann ist da auch noch das RAL Forum, unsere jährlich stattfindende Impulsveranstaltung mit vielen Vorträgen und Diskussionen, die sich die letzten drei Jahre mit Themen der Circular Economy beschäftigt hat. Die Umwandlung der Wirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft ist etwas, an dem wir aktiv mitwirken möchten.

Können Sie uns einen Blick hinter die Kulissen geben – welche RAL Gütezeichen werden bald neu dazukommen?

Thomas Roßbach: Ich darf verraten, dass zwei neue RAL Gütezeichen sich gerade im laufenden Anerkennungsprozess befinden: das RAL Gütezeichen Climate Premium Pellets und das RAL Gütezeichen Nachhaltige Gastronomie (Arbeitstitel).

Welche RAL Gütezeichen fehlen Ihrer Meinung nach noch?

Thomas Roßbach: Vor ein paar Jahren haben wir im Rahmen eines RAL Forums über Schwammstädte diskutiert. Dabei habe ich gelernt, dass nicht alle Baumaterialien schwammstadttauglich sind, da sie das gesammelte Wasser verunreinigen können. Seitdem mag ich die Idee eines RAL Gütezeichens für schwammstadttaugliche Baumaterialien – auch wenn es bislang über eine Idee nicht hinausgekommen ist.

Rüdiger Wollmann: Mein Beispiel stammt in der Tat auch aus einem RAL Forum, dem RAL Forum zum Thema Sekundärrohstoffe, das wir letzten Oktober veranstaltet haben. Lukas Hädicke von der ARDEX Group hat dort einen Vortrag über ein Produkt zum Fliesenverlegen gehalten, mit dem die Fliesen sich einfach wieder ablösen, wiederverwenden und recyceln lassen. Eine echte Innovation in der zirkulären Bauchemie – so innovativ, dass es für das Produkt aktuell keine Norm gibt und es sich nicht „Fliesenkleber“ nennen darf. Hier könnte ich mir gut vorstellen, dass ein RAL Gütezeichen Zirkuläre Bauchemie für hohe Qualität und neue Standards sorgen kann.

Andrea Knaden Managerin Kommunikation & Marketing

Pressekontakt

Andrea Knaden

Managerin Kommunikation & Marketing